Unberechenbares Jeu

Durch einen Film im Forum der Berlinale bin ich auf Fanny zu Reventlows kleinen Roman Der Geldkomplex aufmerksam geworden, erstmals erschienen 1916. „Meinen Gläubigern zugeeignet“, lautet das Motto, und man könnte diese Briefe einer Dame, die gern auf großem Fuß lebt, dafür aber keine eigenen Mittel hat, sehr schön als Einführung in die jüngere Gegenwart lesen, in eine Ära entfesselter Geldmengen und auf die Spitze getriebener Verschuldung.

Unter dem Gesetz

Eines meiner großen Leseerlebnisse in 2014 war Ludwig Winders Roman Der Thronfolger. Ich habe nun noch ein wenig bei diesem Autor weitergelesen, der zu dem Kreis um Max Brod gehörte, und bin dabei auf den 1922 erschienenen, deutlich kürzeren Roman Die jüdische Orgel gestoßen, der nicht minder großartig ist, allerdings in seiner expressionistischen Intensität einen deutlich anderen Tonfall hat.

Durch die Wüste

Die Geschichte von Moses war eines der ersten großen Bildereignisse in meinem Leben: eine aneinander geklebte Reihe von Buntstiftzeichnungen, auf der wir, im katholischen Religionsunterricht angeleitet von einem aus Jugoslawien importierten Kaplan, vom Bastkörbchen bis zum Roten Meer alles schön nach unseren Vorstellungen veranschaulichten. Mit dieser Kindheitserinnerung mag es zu tun haben, dass ich auf Ridley Scotts Exodus - Götter und Könige ziemlich neugierig war. So neugierig, dass ich nebenbei auch noch ein wenig Lektüre getrieben habe, zum Beispiel habe ich Michael Walzers Exodus und Revolution gelesen.