Filme und Folgen (19)

Notizen: Februar 2020

Das Eismeer ruft (Jörg Foth, 1983)

Prag im Jahr 1934: Aus dem Radio sind Meldungen zu hören von der Notlage einer Schiffsbesatzung im Eismeer vor der Wrangelinsel, 9000 Kilometer entfernt am äußersten Ende der Sowjetunion. Ein paar Kinder nehmen sich die Sache zu Herzen und planen eine Rettungsaktion. Schon am Bahnhof gibt es ein kleines Problem: Das Geld reicht nur für vier Fahrkarten, also bleibt einer zurück. Drei Buben und das Mädchen Rosemarie bewegen sich durch eine schöne Abenteuerlandschaft, in einem gemächlichen Tempo, in verwegener Kleidung oder manchmal einfach in einem Nachthemd (der kleine Ferdinand). Sie campieren bei einer Mariensäule, und geraten schließlich an ein paar Flößer, bei denen sie aufsteigen können ­ – die große, aufrollbare Weltkarte, die sie die ganze Zeit dabei hatten, dient nun als Segel. Zu diesem Zeitpunkt werden die Kinder schon von Gendarmen verfolgt, denn in Prag wurde ihr Verschwinden gemeldet. Das Floß fährt dann auch passenderweise in diese Richtung. Jörg Foth verwendete Archivmaterial von dem tatsächlichen Polardrama, das in der Sowjetunion zu einem Propagandafilm ausgewertet wurde (an einer Stelle sieht man, dramatisch, das Schiff sinken, es wird vom Eis zerdrückt, auf das sich die Passagiere gerettet haben). Am Ende gelingt in der Sowjetunion die Rettung, sodass die Kinder gleichsam mit dem Triumphzug dort im selben Atemzug triumphierend (mit der eigenen „Heldentat“ den Weltgeist bestätigend) nach Hause kommen können. Nach einem Roman von Alex Wedding. Sehr schöne Entdeckung. (Arsenal, DEFA-Abend mit Jörg Foth, 35mm)

Zurück